Immer öfter hört man heute auch als Laie den Begriff „Hochvolt“ – besonders im Zusammenhang mit Elektrofahrzeugen.
Als jemand, der sich beruflich mit Hochvolttechnik und entsprechenden Schulungen beschäftigt, wurde ich bereits mehrfach gefragt:
„Du machst doch diese Hochvoltschulungen – hieß das früher nicht Hochspannung?“
Die kurze Antwort lautet: Nein.
Aber weil das alleine kaum zufriedenstellt, folgt hier die etwas längere, hoffentlich verständliche Erklärung.
Zwei Begriffe – zwei Welten: Hochvolt und Hochspannung
Hochspannung ist ein Begriff aus der klassischen Elektrotechnik, wie sie in den VDE-Normen seit Jahrzehnten definiert wird.
Hier werden verschiedene Spannungsebenen unterschieden:
- Kleinspannung: bis 50 V AC bzw. 120 V DC
- Niederspannung: bis 1000 V AC bzw. 1500 V DC
- Mittelspannung: bis etwa 52 kV
- Hochspannung: meist 110 kV
- Höchstspannung: 220 kV, 380 kV oder 400 kV
- Ultrahochspannung: z.B. 1200 kV (Nicht in Europa verbreitet)
Dabei ist die Kleinspannung streng genommen ein Teil der Niederspannung, wird aber der Klarheit wegen separat betitelt; und alles Oberhalb der Niederspannung die allgemeine Hochspannungs-Welt nach VDE 0101.
Hochvolt dagegen stammt aus der Fahrzeugtechnik. Der Begriff beschreibt den Spannungsbereich von
- über 30 V bis 1000 V bei Wechselspannung (AC)
- über 60 V bis 1500 V bei Gleichspannung (DC)
Damit liegt Hochvolt also innerhalb der Niederspannung – auch wenn sich das für viele kontraintuitiv anhört.
Warum „Niederspannung“ trotz des für Laien harmlos wirkenden Begriffes gefährlich ist
Der Begriff „Niederspannung“ klingt harmlos – ist es aber keineswegs.
Alles, was wir im Haushalt, im Büro oder in der Werkstatt an Strom finden, gehört in diesen Bereich. Und:
Auch 230 Volt können tödlich sein.
Alles bis 1000 V Wechselspannung oder 1500 V Gleichspannung ist de facto Niederspannung! Die Niederspannungsrichtlinie ist daher eine der wichtigsten europäischen Sicherheitsrichtlinien überhaupt.
Und wer mit Hochvoltsystemen arbeitet, bewegt sich mitten in diesem Bereich, meist deutlich oberhalb der Niederspannung aus der Steckdose – weit entfernt von harmlos.
Was Hochvolt wirklich bedeutet
Hochvolt steht heute sinnbildlich für elektrische Antriebe in Fahrzeugen – und für den besonderen Umgang, den sie erfordern.
Typische Spannungen liegen bei 400 V oder 800 V.
Zum Vergleich: das Bordnetz eines Autos arbeitet mit 12 V oder 24 V, moderne Systeme manchmal mit 48 V.
Das erklärt auch, warum der Begriff „Niederspannung“ im Fahrzeugumfeld unpassend wäre:
Er vermittelt fälschlicherweise den Eindruck von „ungefährlich“.
„Hochvolt“ hingegen signalisiert zu Recht: Hier ist besondere Fachkunde nötig.
Sicherheit durch Qualifikation
Der Umgang mit Hochvoltsystemen erfordert nicht nur technisches Verständnis, sondern auch rechtlich vorgeschriebene Qualifikationen.
Dazu zählen etwa:
- Fachkundige Person für Hochvoltsysteme in der Fahrzeugtechnik (FHV)
- Fachkundige Person für Hochvoltsysteme in der Batterietechnik
- Elektrofachkraft für Hochvoltsysteme
- Arbeiten unter Spannung (AuS) an Hochvoltbatterien
Diese Schulungen nach der DGUV I 209-093 vermitteln die Kenntnisse, um Hochvoltsysteme sicher zu prüfen, zu warten oder zu demontieren.
Denn Hochvolt kann sehr gefährlich werden – in der Batterietechnik gerade aufgrund der hohen Leistungen zu entsprechenden Lichtbögen führen.
FAQ: Hochvolt vs. Hochspannung
Was ist gefährlicher – Hochvolt oder Hochspannung?
Beides kann lebensgefährlich sein. Hochspannung (ab etwa 100 kV) betrifft vor allem Energieverteilungsnetze. Hochvolt (bis 1000 V AC) liegt darunter, ist aber im Fahrzeugbereich trotzdem potenziell tödlich.
Gibt es Hochvolt im Haushalt?
Nein. Im Haushalt bewegen wir uns im Bereich der Niederspannung (230 V). Hochvolt findet sich in Elektrofahrzeugen und industriellen HV-Systemen.
Warum heißt es „Hochvolt“ und nicht „Hochspannung“?
Weil der Begriff aus der Fahrzeugtechnik stammt und bewusst von der klassischen Energietechnik abgegrenzt wurde. Hochvolt bezeichnet den für Fahrzeuge relevanten Niederspannungsbereich bis 1000 V AC bzw. 1500 V DC.
Brauche ich eine Schulung, um mit Hochvolt zu arbeiten?
Ja. Je nach Tätigkeit sind Schulungen nach DGUV Information 209-093 oder andere Qualifikationen zwingend erforderlich.
Kann man Hochvolt anfassen, wenn das System ausgeschaltet ist?
Nur, wenn man sicher weiß, dass es spannungsfrei ist – und entsprechend geschult ist. Hochvolt-Komponenten können Restenergie speichern.
Fazit
Hochvolt ist nicht Hochspannung – und das ist kein bloßer Sprachunterschied.
Während Hochspannung in Stromnetzen vorkommt, bezeichnet Hochvolt den Spannungsbereich moderner Elektrofahrzeuge.
Beide Bereiche sind gefährlich, aber nur einer betrifft den Alltag von Werkstätten, Entwicklern und Monteuren.
Wer hier arbeitet, braucht vor allem eins: die richtige Qualifikation.
Wer im Umfeld von Hochvolt-Systemen arbeitet, trägt Verantwortung für die Sicherheit von Mensch, Umwelt und Betrieb. Eine solide Ausbildung – etwa zur Fachkundigen Person für Hochvolt bei TCS – ist dafür der erste Schritt.
PS: Unsere Empfehlung hierzu: Unser kostenloses (WIRKLICH kostenlos, auch OHNE Emailadresse angebene zu müssen!) Paper “6 Dinge, die Sie über die Hochvoltqualifizierung Ihrer Mitarbeiter im Voraus wissen müssen” ist hier erreichbar (klick).
Hinterlasse einen Kommentar